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Über den Autor und weitere Mitwirkende
Ibn-Tufail wird 1106 in Guadix in Andalusien geboren. Sichere Quellen zu seinem Leben sind nicht bekannt, doch soll der Philosoph, Arzt und Astronom der Leibarzt des Sultan Abu Yakub Yusuf gewesen sein. Diese einflußreiche Stellung benutzt er, um seinen Freund, den arabischen Philosophen und Aristoteles-Kommentator Averroes bei Hof einzuführen. Einzig erhaltener Text des Ibn-Tufail ist der philosophisch-allegorische Inselroman Der Philosoph als Autodidakt. Inhaltlich geht es um ein Kind, das von einer Gazelle aufgezogen und nur von Natur und Tieren umgeben auf einer einsamen Insel aufwächst und bis zum 50. Lebensjahr die Erkenntnis der Allmächtigkeit Gottes erlangt. Hier wird die Philosophie als rationale Form der Erkenntnis gegen die Angriffe al-Ghazalis verteidigt, der die Vereinbarkeit der aristotelischen Methodik mit der Orthodoxie des Islam in Frage stellt. Gleichzeitig wird die intuitive Erfahrung als Erkenntnisform etabliert und dem theoretischen Erfassen gleichgestellt. Große Beachtung findet der Traktat in den religionskritischen Debatten des 18. Jahrhunderts und soll Daniel Defoe als Vorlage für den Robinson Crusoe gedient haben. Ibn-Tufail stirbt im hohen Alter von 79 Jahren in Marrakesch.
Produktinformation
Taschenbuch: 155 Seiten
Verlag: Meiner, F; Auflage: 2. durchgesehene Auflage mit ergänzter Bibliographie (3. Juni 2019)
Sprache: Deutsch
ISBN-10: 3787336400
ISBN-13: 978-3787336401
Größe und/oder Gewicht:
12,1 x 1,5 x 19 cm
Durchschnittliche Kundenbewertung:
5.0 von 5 Sternen
6 Kundenrezensionen
Amazon Bestseller-Rang:
Nr. 394.719 in Bücher (Siehe Top 100 in Bücher)
Warum fand ich das Buch interessant? Eine philosophische Robinsonerzählung, über das Entstehen von Wissen, aus dem Mittelalter. Zwischen 800 und 1200, grob gerechnet, gab es in Cordoba, Sizilien, Alexandria, Bagdad und an anderen Orten, eine zwar nicht immer konkliktfreie, aber in hohem Masse intellektuelle Kulturblüte, an der Juden, Christen und Muslime beteiligt waren. Sie diskutierten auf höchstem Niveau und in vielen Sprachen erforschten und übersetzten sie alte, oft vergessene Quellen, aus der griechischen platonischen, neuplatonischen oder aristotelischen Denktradition, aus iranischen und auch indischen Weisheitstraditionen und Erzählweisen.Bis ins hohe Mittelalter gab es diesen Kulturaustausch, diese aufregende Neugier, vom Wissen, Fragen und Antwortsinterpretationen zu lernen, über das Leben, den Kosmos, die Medizin, die Natur etc.Die Intellektuellen dieser Zeit, mit den damaligen Erkenntnismöglichkeiten,debattierten auf einem Niveau, das auch uns heute beeindrucken muss. Wir müssen selber zurückübersetzen, versuchen, zu verstehen, wie damals Denken , Fragen, Diskutieren möglich war. Der Philosoph als Autodiktat ist für geistig reiselustige Wanderer ein Vergnügen. Also: mach eine Reise in unsere Vergangenheit, als Juden, Muslime, Christen sprachgewaltig und voller Neugier die Herkunft des homo sapiens nach den damaligen Quellen geistreich rekonstruierten und übersetzten, eine Übersetzung , nicht zur Verklärung der Vergangenheit, sondern um zu versuchen, das Leben jetzt besser aufzuklären.Wissensdrang, Wahrheitssuche und das in Kooperation unterschiedlich religiös geprägter Geistesgrössen: ist das nicht ein wunderbares Erbe. Man sollte solche Texte lesen. Dafür sollte man sich, von Zeit zu Zeit, ein bischen Zeit gönnen.Dr. Lothar Kraft, Berlin
Eine Rezension zum Inselroman? Nein. Oder zumindest nicht hauptsächlich. Denn was an dieser Ausgabe ausdrücklich mit Lob zu bedenken ist, sind die einführenden Worte des Herausgebers. Zum besseren Verständnis des Textes und seiner Bedeutung wird das Klima zwischen Theologie und Philosophie trefflich eingefangen, es werden wichtige Vertreter des theologisch-philosophischen Diskurses genannt und mit Kurzbiographien greifbar gemacht und schließlich werden auch Ibn Tufail selbst sowie der Sufismus in gleichsam gelungener Weise mit Worten bedacht. Angesichts des Umstandes, daß dem Laienpublikum im allgmeinen wenig Auswahl an deutschsprachiger Literatur bleibt, um sich in der vorliegenden Thematik zu belesen, ist umso erstaunlicher, daß hier auf wenig Raum viel Inhalt auf leicht verständliche Weise angeboten wird. Für schlappe 5 Euro eine wirklich vorbildliche Arbeit!Eine Rezension zum Inselroman? Nein. Der Inhalt ist in groben Zügen, denke ich, jedem bekannt, der gezielt danach sucht. Eine angemessene Betrachung der zunächst einfachen Kernaussage hingegen setzt Kenntnisse in Philosophie und Islam voraus, die oberhalb meiner Möglichkeiten liegen. Daher möchte ich meine halbgaren Gedanken zugunsten einer kompakteren Rezension aussparen. Angesichts der Gesamtpräsentation dieser Ausgabe maße ich mir dennoch an, diesem Buch volle 5 Sterne zu geben. Die umfassende Präsentation eines randständigen Themas zu einem sehr günstigen Preis verdient diese Würdigung.
Gute Übersetzung, Super Vorwort. Macht den Einstieg und das Verständnis in dieses tolle Werk einfacher und setzt es in seinen historischen Kontext!
Jemand, der Interesse an philosophischen Fragen hat, sollte es unbedingt lesen. Eine hoch intelligente Herangehensweise an tiefen philosophischen Fragen. Das Vorwort ist auch sehr gut verfasst, um diesen Roman zu verstehen
Der allegorische Inselroman des arabisch-andalusischen Philosophen Ibn Tufail (gest. 1185) schildert die Lebensgeschichte des auf einer einsamen Insel aufwachsenden Titelhelden namens Hayy ibn Yaqzan ("Der Lebendige, Sohn des Wachenden"), der im Laufe der Zeit allein durch Beobachtungen, empirische Untersuchungen und Schlussfolgerungen ein philosophisches Weltbild entwirft, das schliesslich dem Fächerkanon der damaligen mittelalterlichen Wissenschaften entspricht. Dazu gehören nebst praktischen Fähigkeiten wie Werkzeugbau, Jagd und Tierhaltung zunächst einmal Wissenschaften wie Anatomie und Biologie, später dann Astronomie und Kosmologie; die kontinuierliche Reflexion führt ihn über die Lehre von Geist, Seele und Intellekt letztlich aber auch zu philosophischen, theologischen und sufischen (mystischen) Einsichten. Daneben spielen - nach einer Konfrontation mit den Bewohnern einer Nachbarinsel - gesellschaftskritische Überlegungen und nicht zuletzt auch Oekologie eine wichtige Rolle.Diese Ausgabe des Textes überzeugt duch die elegante und originalgetreue Übersetzung sowie durch die ausführliche Einleitung des Herausgebers, in welcher die wichtigen philosophiehistorischen Bezüge allgemeinverständlich erklärt und die lebhafte Rezeption des Werks in der europäischen Neuzeit nachgezeichnet werden.
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